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Köşk: GRAUZONEN

Die Gruppenausstellung GRAUZONEN ist von 22. bis 24. März im Köşk zu sehen.
Vernissage: 21. März ab 18 Uhr.

Grauzonen werden definiert als halblegale politische, wirtschaftliche, ökologische und sonstige Bereiche, als etwas, das nicht ganz verurteilbar scheint, gleichsam aber nicht wie alles Anständige im Licht zu sehen ist. Grauzonen sind Bereiche mit Interpretationsspielraum. Grauzonen sind Übergangszonen von einem Pol zum anderen. Ein Bereich, in dem sich Tätigkeiten abspielen, die nicht ganz korrekt, aber nicht ausdrücklich verboten sind.

Eine der zu findenden Definitionen lautet, dass es sich dabei um einen Bereich ohne besondere Höhen und Tiefen, auffällige Besonderheiten oder Farbigkeit, dass es sich um einen Bereich des Mittelmaßes handelt. Die Mittelmäßigkeit... ein Wort, mit dem vielen von klein auf Angst gemacht wird. Willst du mittelmäßig sein? Willst du so sein wie alle anderen? Willst du zur grauen Masse gehören? Nein! Schnell weg, höher, weiter, schneller, krasser, mit allen Mitteln, die zur Verfügung stehen – und wenn sie nicht zur Verfügung stehen, dann geh aus deiner Komfortzone hinaus und beschaffe sie dir!

Der Versuch, die graue Masse hinter sich zu lassen, sich herauszuheben und einen Raum für sich selbst zu schaffen, treibt unsere Gesellschaft in rasanter Geschwindigkeit auseinander. Während sich die einen nach der Schule sofort in die Gefilde einer professionellen politischen Laufbahn stürzen, stürzen andere in eine Welt von Verzweiflung, Angst, Wut und Substanzmissbrauch. Während die einen ihren Lebensunterhalt durch Blogs mit herausgeputzten Bildern ihrer Stadt verdienen, fluchen die anderen darüber, wie sinnentleert und unpersönlich der städtische Raum geworden ist und ziehen ein Leben als Einsiedler in den Bergen vor. Während die einen sich in ihre elitäre geisteswissenschaftliche Blase zurückziehen, existiert für die anderen ihr Lebtag lang nur ein fest greifbares Handwerk.

Ist dies nun gut oder schlecht? Wir leben in einem Zeitalter des Pluralismus, in unserer Gesellschaft scheint, im Vergleich zu älteren Generationen, beinahe alles erreichbar, wir haben die Möglichkeit, uns in die Richtung zu entwickeln, die wir wollen. Oder? Wir sind so sehr damit beschäftigt, in unsere auserkorene Richtung zu gehen, so schnell wie möglich von A nach B zu kommen, das Schwarz für das Weiß einzutauschen und wie Motten das Licht zu erreichen, dass wir dazu tendieren, das zwischen A und B liegende Zwielicht auszublenden. Dabei verläuft unser Leben nie in einer Dichotomie von schwarz und weiß, sondern in einer einzigen großen Grauzone, die wir verlassen möchten.

In einer gewissen Hinsicht handelt es sich bei München um eine Stadt der Extremen: entweder liebt man München, oder man hasst es. Angepriesen werden Sauberkeit, der Link zur Natur, die guten Restaurants, das Bier, die von einem goldenen, royalen Faden durch setzte Geschichte. Stark bemängelt werden die hohen Mietpreise, die Überheblichkeit der Schickeria, die beinahe schon neben Stickstoff und Sauerstoff zum Bestandteil der Luft gezählt wird, fehlende Subkultur, schadhafter Konservatismus.

Doch was befindet sich in den Zwischenräumen, zwischen der Fraktion der Münchenliebhaber und Münchenhasser – was beinhaltet diese Stadt, das für sich, im Hier und Jetzt existiert, ohne repräsentative Funktion, ohne direktes Klischee, ohne Vorzeigebedürfnis?

Bei den Gesichtern hinter „Grauzonen“ handelt es sich um eine Gruppe Studierender, bunt zusammengewürfelt, ein Konglomerat, das sich mit dem angeschnittenen Themenbereich auseinandergesetzt hat.

Im Köşk haben sie die Möglichkeit, eigene Arbeiten der Öffentlichkeit zu präsentieren, was für sie an sich bereits eine Besonderheit darstellt: für junge Kunstschaffende außerhalb der Akademie gestaltet sich ein Durchbruch schwierig, da der öffentliche Raum immer weniger Ausstellungs- und Austauschmöglichkeiten bietet, die sich nicht in einem etablierten stadtkulturellen Rahmen
bewegen. Primär geht es den Künstler*innen nicht um den Durchbruch in die professionelle Kunstwelt und nicht um die Eroberung des Kunstmarktes. In ihrer Ausstellung agieren ihre Arbeiten als Mittler zwischen den oder dem Dargestellten und dem Betrachter. Als Betrachter ist jeder willkommen und aufgefordert, in einen Diskurs mit dem Inhalt und seinen eigenen Gedanken zu treten.

Statt sich in Extreme zu flüchten, möchten die Künstler*innen den Raum dazwischen beleben. Die Ausstellung behandelt das Thema „Grauzonen“ von unterschiedlichen Seiten. Sei es – individuelle Auseinandersetzung mit privaten Erfahrungen, Umgang des Menschen mit der Natur, Lebendigkeit von transitorischen Bereichen Münchens, Alltag von Obdachlosen oder die LGBT-Szene. Sie möchten zeigen, wie viele farbliche Abstufungen und Schattierungen diese vermeintlichen Grauzonen darstellen.

Vernissage:                        21. März 2019 // ab 18 Uhr

Dauer der Ausstellung:     22. bis 24. März 2019

Öffnungszeiten:                Fr/Sa 14 - 20 Uhr
                                            So 18 - 21 Uhr

Eintritt frei   

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