Aloun

Aloun besuchte als Kind vier Jahre lang das Kinderhaus Harthof, später zog es ihn dann in den Kinder- und Jugendtreff Zeugnerhof. Aber auch im Jugendtreff Biederstein war er immer wieder anzutreffen.

Bleib immer in Bewegung und vergiss Deine Wurzeln nicht!

Im Kinderhaus Harthof war ich das erste Mal mit 6 oder 7 Jahren. Vier Jahre verbrachte ich dort viel Zeit. Ich erinnere mich noch gerne an den Wolfi (Wolfgang Hartmann), der dort als Pädagoge gearbeitet hat.

Ich wohnte damals im Hasenbergl. Nach der Kinderhaus-Zeit, also mit 11 Jahren, war ich mit einer Clique unterwegs, die das Hasenbergl unsicher machte. Ich merkte schnell, dass ich das nicht will und zog mich da wieder raus.

Durch meinen Cousin, der in Berlin wohnte, und den ich in den Ferien besuchte, lernte ich Graffiti-Kunst kennen. Das wurde zu meiner neuen Leidenschaft. Irgendwann erzählte er mir, dass das Graffiti-Magazin „on the run“ nur in München zu erhalten ist und zwar im Zeugnerhof. (Akim Walter, der Herausgeber des Magazins, leistete zu der Zeit seinen Zivildienst im Zeugnerhof). Ich recherchierte und fuhr dann öffentlich 1 ½ Stunden vom Hasenbergl nach Berg am Laim zum Zeugnerhof. Dort  traf ich auf Astrid Weindl, die sich ausgiebig Zeit nahm und mir das Haus zeigte. Überall hingen tolle Graffitis an den Wänden, u.a. auch von Loomit, einem damals schon bedeutenden Graffiti-Künstler, der auch im Zeugnerhof seine Anfänge hatte. Im Breakdance-Raum meinte Astrid dann beiläufig: Wenn Du willst, dann komm doch mal vorbei. Jeden Mittwoch um 18 Uhr ist hier Training. Ich war erst skeptisch, weil ich dachte, ich bin doch überhaupt nicht beweglich. Aber dann erinnerte ich mich an die Worte von meinem Cousin: „Wenn Du beim HipHop dabei sein willst, dann musst Du alle vier Elemente können: Graffiti, Breakdance, Rap, DJen“. Graffiti konnte ich, dann war wohl jetzt die Gelegenheit gekommen, Breakdance zu lernen.

Ab da war ich jeden Mittwoch (später auch noch montags) im Zeugnerhof. Und dann nahm alles seinen Lauf, eins kam zum anderen. Mit meiner Gruppe tanzten wir regelmäßig auf dem Marienplatz und verdienten so viel Geld, dass wir sogar zu Hip-Hop-Jams in ganz Deutschland und Europa reisen konnten. 1995 verschlug es mich dann in den Jugendtreff Biederstein, dort gab es coole Räume, in denen Tanzgruppen trainieren konnten. Dort habe ich auch Patricia Herzog, Pädagogin im Biederstein, kennengelernt. Ich machte mir einen Namen mit meiner Gruppe und ich unterrichtete später auch in anderen KJR-Einrichtungen, u.a. dem TASSO, dem RIVA NORD oder auch dem Club im Hasenbergl. Dort sprach mich der damalige Leiter Achim Seipt an, ob ich nicht Lust hätte, Breakdance bei den Ghettokids zu unterrichten. Das machte ich. Und als später ein Film über Susanne Korbmacher, Gründerin der Ghettokids, gedreht wurde, wurde auch über mich und meinen Breakdance-Unterricht berichtet. Danach kamen viele Anfragen, u.a. auch von Michael Bully Herbig für den Film „Der Schuh des Manitu“. Ich wurde dann das Double von Bully als Elvis in einer Breakdance-Szene.

Ich kann nur sagen, dass ich ohne Breakdance sicher auf die schiefe Bahn geraten wäre. Und ohne Astrid Weindl im Zeugnerhof wäre ich nicht zu Breakdance gekommen.

Inzwischen habe ich ein Tanzstudio „step2diz“ in Haidhausen. Ich beschäftige 13 Trainer und habe mich selbst ein bisschen rausgezogen, um mein Privatleben und meine Familie (Frau und drei Kinder) zu genießen. Meine Mutter ist 2017 gestorben und da denkt man nochmal anders über das Leben nach als vorher.

Mit Astrid Weindl bin ich auch heute noch befreundet.

Und ich habe immer noch Kontakte zum KJR und werde für Projekte angefragt.