“Kick it like Kurt”

Dokumentarfilm des Kreisjugendring München-Stadt in Kooperation mit dem NS-Dokumentationszentrum München


Wer ist Kurt?

Fußball war für den jüdischen Kaufmannssohn Kurt Landauer Passion und Lebensaufgabe, seine sportliche Heimat der FC Bayern München
Viele Jahre war er Präsident der „Roten“, im Juni 1932 feierte er mit seinem Club die erste Deutsche Meisterschaft. – Eine nette Anekdote zur Geschichte des FC Bayern?

Es steckt viel mehr dahinter:
Nicht nur, dass Kurt Landauer ein wirklich außergewöhnlicher Mann war, dessen persönliche Werte und sportliche Visionen für das Profil und den Aufstieg des FC Bayern, aber auch für den Fußballsport insgesamt Maßstäbe gesetzt haben.

Nicht nur, dass die frühe Geschichte des FC Bayern eine unglaublich spannende ist – die heute aber kaum ein Fan kennt. 
Es ist vor allem die faszinierende Story des gemeinsamen Schaffens von Juden und Nichtjuden, selbstverständlich und solidarisch, weltoffen und in demokratischem Geist, den auch die Nationalsozialisten nicht brechen konnten. 

Wenn wir heute von multikulturellem Zusammenleben, von Verständigung und Toleranz reden, ist diese Story ein ganz praktisches Beispiel dafür.

Junge Leute haben sie in einem Filmprojekt aus der Vergessenheit geholt und sich fast 1½ Jahre lang mit Kurt Landauer und den Wurzeln des FC Bayern auseinandergesetzt. 

Herausgekommen dabei ist “Kick it like Kurt”, ein professioneller Dokumentarfilm, etwa 53 Minuten lang. 

Die inoffizielle Premiere war am 6. Juni 2010 im Jüdischen Gemeindezentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München.


Ein recht spezielles Thema …

Zur Frage, wie man auf Kurt Landauer kam, gibt es verschiedene Erinnerungen, es liegt auch schon ein paar Jahre zurück …

Damals verbrachten zwei junge Frauen aus Israel ihr Freiwilligenjahr im Jugendinformationszentrum München. Sie hatten bald Freunde gefunden, es gab viele Treffen, lebhafte Gespräche, zum Beispiel über die Kontakte zwischen Deutschland und Israel, über den Holocaust, aber auch darüber, wie junge Juden heute in München leben, wie jüdische und nichtjüdische Münchner/innen Kontakt zueinander haben, miteinander arbeiten, Freizeit verbringen. Irgendwann war wohl auch Fußball ein Thema und die Tatsache, dass es in Israel diverse Fanclubs des FC Bayern gibt. Jawohl, einer der ersten Präsidenten des FCB war Jude und hieß Kurt Landauer. 

Für die meisten Fußballfans existiert der FC Bayern erst ab der „Jahrhundertmannschaft“ der 70er mit Beckenbauer, Müller und Co. 

Aber davor? Kurt Landauer? Das war neu – und interessant …

Avi Bador, ein Israeli, der in München lebt, trug die Idee in das Jugendinformationszentrum mit dem Vorschlag, einen Film über Kurt Landauer zu machen. Gemeinsam mit einem befreundeten Kameramann hatte er bereits erste Schritte unternommen und ein Interview gedreht. 

Wenn man aber Größeres plant als einen kurzen Videostreifen, geht das ordentlich ins Geld, es braucht mehr Leute und organisatorische Unterstützung.

So wanderte die Idee in den Kreisjugendring München-Stadt, zu Sylvia Holhut, die dort für „zeitgeschichtliche Projekte“ / demokratische Jugendbildung zuständig ist. Andere junge Leute erfuhren von der Projektidee und wollten unbedingt mitmachen.

Das Projekt „Kurt Landauer“ kam ins Rollen …

Demokratiemobil

Das Demokratiemobil – „Demokratie im Einsatz“ – ist politische Bildung im öffentlichen Raum:  Es kommt als Bildungsangebot auf Rädern in München dauerhaft und nachhaltig zum Einsatz und bringt rund um die Themen Demokratie, Teilhabe und Menschenrechte Bildung interaktiv in den öffentlichen Raum, in Stadtteile, auf Bürgerfeste, vor Wahlen und im Alltag. Es informiert und klärt auf, nicht nur mittels Lesematerial, sondern vor allem über kurzweilige, niederschwellige Mitmachaktionen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ziel ist es mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, Stimmungen und Bedarfe aufzunehmen, Möglichkeiten der politischen Teilhabe aufzuzeigen und Mut zu machen, diese auch wahrzunehmen und zu partizipieren. So können auch diejenigen erreicht werden, die von sich aus keinen Zugang zu politischer Bildung haben oder aktiv suchen.

Das Demokratiemobil enthält bei Einsätzen zu Wahlen keine Parteiprogramme und informiert nicht über parteipolitische Positionen. Gegenüber ausgrenzendem, rassistischem und menschenfeindlichem Gedankengut bezieht es aber jederzeit und deutlich Position.

Das Mobil selbst enthält ein Kernangebot an Aktionen. Sie sind flexibel auf unterschiedliche Themen anwendbar und übertragbar, können je nach Platzbedarf ausgedehnt und eingegrenzt werden. Zusätzlich kann man aber gern noch weitere Angebote koppeln – je nach Bereitschaft und Ideen von unterstützenden Einrichtungen in den jeweiligen Stadtbezirken.

Die Kosten für stadtteilbezogene Aktionen decken größtenteils die jeweiligen Bezirksausschüsse. Für das Mobil selbst und seinen Unterhalt kommt der Kreisjugendring München-Stadt auf.

In den bisherigen Einsätzen zur Bundestagswahl 2017, Landtagswahl 2018, Europawahl 2019, Kommunalwahl 2020, bei der Langen Nacht der Demokratie und auf Stadtteilfesten konnten in mittlerweile 16 Stadtbezirken insgesamt über 6000 Menschen erreicht werden, die sich aktiv an den Angeboten des Mobils und in Gesprächen beteiligten.
Die LH München hat den Erfolg gewürdigt und unterstützt das Projekt seit 1. Januar 2019 mit einer halben Stelle.

Fachstelle Demokratische Jugendbildung

Kern der Fachstelle Demokratische Jugendbildung ist es, in der Auseinandersetzung mit der Geschichte unseres Landes Fragen an die Gegenwart zu stellen. Jugendliche werden motiviert und darin begleitet, Initiative zu ergreifen und selbstbestimmt Projekte und Aktionen zu entwickeln.

Aufgaben der Fachstelle

  • Kern der Fachstelle ist außerschulische, historisch politische Jugendbildung.  Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Kooperation sowohl mit dem NS-Dokumentationszentrum München als auch mit verschiedenen Fachstellen, Organisationen und Initiativen in der Stadt, die sich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) engagieren.
  • Der Titel der Fachstelle bezieht sich nicht nur auf Bildungsinhalte, sondern auch auf die demokratischen Strukturen der Bildungsarbeit: Junge Leute stehen dabei mit ihren Fragen und Interessen im Mittelpunkt, sie werden motiviert und darin begleitet, Bildungsarbeit selbstbestimmt in die Hand zu nehmen und Projekte und Veranstaltungen in Eigenregie durchzuführen.

Ziele der Fachstelle

  • Die Erinnerung an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft und das Gedenken an ihre Opfer wachhalten,
  • damit verbunden ein Bewusstsein für demokratische Werte und Menschenrechte entwickeln und stärken,
  • eine kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen und
  • die Bereitschaft zu aktivem Engagement fördern und unterstützen

Arbeitsschwerpunkte der Fachstelle

  • Projektideen und Aktionen junger Menschen unterstützen und begleiten (z.B. inhaltliche Beratung, Organisation, Finanzierung etc.)
  • Information, Service und Beratung von Jugendverbänden, offenen Kinder- und Jugendeinrichtungen sowie Multiplikatoren und Multiplikatorinnen für Fragen der historischen und politischen Jugendbildungsarbeit bieten
  • in Gremien und Arbeitsgruppen des NS-Dokumentationszentrums sowie des kommunalen Netzwerks gegen Rechts mitwirken (u.a. politischer Beirat NS-Dokumentationszentrum, Fachstelle für Demokratie beim Oberbürgermeister, FachInformationsstelle firm, a.i.d.a.-Archiv, Stadtjugendamt/Jugendkulturwerk, Netzwerk demokratische Bildung, München ist bunt e.V.)
  • enge Kooperationen mit den entsprechenden Partnern sowie mit bürgerschaftlichen Initiativen in der Stadt entwickeln und pflegen (z.B. hinsichtlich Veranstaltungen und Protestaktionen gegen Pegida und anderen Aktivitäten der extremen Rechten)
  • Projekte, Veranstaltungen und Aktionen zu historischen Themen und zum Themenkomplex Rechtsextremismus/Rassismus/GMF durchführen
  • Kontakt und pädagogischen Austausch mit anderen Jugendringen und Trägern historischer und politischer Bildungsarbeit sowie Gedenkstättenarbeit pflegen (bayern- und bundesweit)
  • Fortbildungen und Beratung für Multiplikator/inn/en anbieten

Projekte


Sylvia Holhut hat die Fachstelle aufgebaut und leitet sie seit 2006.

Oktoberfest-Attentat 1980

Erinnern, Gedenken, Diskutieren – eine Reihe von Veranstaltungen, bei denen auch der KJR Kooperationspartner ist, erinnern an das rechtsextreme Bombenattentat auf das Oktoberfest vor […]

Wertekampagne

Kein Missbrauch demokratischer Werte! ist eine Kampagne des Kreisjugendring München-Stadt gegen Rassismus und populistische Rhetorik.

Essentielle Werte unserer Demokratie, die Solidarität, Gleichheit und Vielfalt gewährleisten, werden immer mehr von radikalen Gruppierungen vereinnahmt und für ihre ausgrenzende und rassistische Politik missbraucht.

Europa, Freiheit, Heimat, Tradition, Wahrheit und Widerstand sind per se keine rechtspopulistischen Begriffe, sondern Werte, die für unser Zusammenleben in München, Deutschland und Europa wichtig sind. Wir wollen keine Vereinnahmung unserer Grundwerte durch RassistInnen und PopulistInnen. Wir holen uns die Begriffe zurück und regen zum gesellschaftlichen Diskurs an.

Ab 14. Juli 2016 lagen in allen CityCards-Verteilern der Stadt Postkarten aus. Begleitet wurde die Kampagne auf einem Blog und durch eine Aktionswoche von 14. bis 20. Juli.

Die Aktionen standen unter dem Motto „Europa, Freiheit, Heimat, Tradition, Wahrheit, Widerstand – das lassen wir uns nicht nehmen!“.

Vom 25. August 2017 bis zur Bundestagswahl am 24. September 2017 wurden die Postkarten erneut in allen CityCards-Verteilern der Stadt ausgelegt.

Sommer.dok

Sommer.dok ist ein offenes Angebot junger Menschen, die sich aktiv an der Bildungsarbeit des NS-Dokumentationszentrums beteiligen wollen. Sie setzen sich ihren Fragen und Interessen entsprechend zum einen mit der Geschichte des Nationalsozialismus in München auseinander und zum anderen mit Themen unserer heutigen Gesellschaft und der Demokratie. Und sie gestalten in Eigenregie die Methoden und den Rahmen ihrer Bildungsarbeit.

Sommer.dok findet einmal jährlich im Juli oder August für ein bis drei Tage auf dem Königsplatz statt und wird ausschließlich von jungen Menschen für junge Menschen geplant, organisiert und durchgeführt. Es baut eine Brücke zwischen NS-Dokumentationszentrum und (junger) Stadtgesellschaft.

Sommer.dok
 ist ein Experiment: Es lebt von der Initiative junger Menschen, ihren thematischen, methodischen und gestalterischen Ideen. Alle sind willkommen und eingeladen mitzumachen: das Interesse zählt.  

Ein Veranstaltungsteam übernimmt jährlich die Koordination und Organisation des Programms:

Interessierte junge Menschen können sich mit einem Angebot am Programm beteiligen, ob es sich um Vorträge, Diskussionen, Filmvorführungen, kreative oder musische Workshops, Führungen etc. handelt. Die Angebote sind teils geschlossen für angemeldete Teilnehmende und teils öffentlich für interessierte Besucherinnen und Besucher, aber prinzipiell kostenlos. Nur bei Bedarf werden Experten und Expertinnen zu bestimmten Themen eingeladen.

Demokratische Jugendbildung

Wir befassen uns mit der NS-Vergangenheit unseres Landes, stellen Fragen an die Gegenwart und setzen uns mit ihr auseinander. Dabei geht es uns um mehr als um die einfache Ablehnung von Rechtsextremismus: Es geht um die kritische Auseinandersetzung mit unserer Gesellschaft, mit Politik und damit, wie wir mit demokratischen Werten und Menschenrechten umgehen. Und es geht um die Teilhabe aller jungen Menschen daran.

Wir wollen sie motivieren und ihr Interesse dafür wecken, Initiative zu ergreifen, sich kritisch mit Entwicklungen und Phänomenen auseinanderzusetzen, sich aktiv einzumischen – und auch über eigene Standpunkte nachzudenken. Wir unterstützen sie mit Information und Aufklärung und begleiten sie dabei, selbstbestimmt Aktionen zu starten, Veranstaltungen zu organisieren und Projekte zu entwickeln.

Unsere Fachstelle “Demokratische Jugendbildung” ist hier für alle jungen Menschen Anlaufstelle und Partner.
Sie arbeitet mit unterschiedlichen Organisationen und Initiativen zusammen und sie ist Mitglied im kommunalen Netzwerk gegen Rechtsextremismus, Rassismus, religiöse Radikalisierung und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Mit dem NS-Dokumentationszentrum München zusammen entstehen gerade gemeinsame Projekte, die Impulse außerschulischer politischer Jugendbildungsarbeit und Angebote des Dokumentationszentrums miteinander verknüpfen.

10 Jahre Zeitgeschichtliche Projekte

Eine Dokumentation der Arbeit der Fachstelle Demokratische Jugendbildung (ehemals “Zeitgeschichtliche Projekte).  Vor zehn Jahren hat der Kreisjugendring München-Stadt die „Zeitgeschichtlichen Projekte“, heute „Fachstelle Demokratische […]