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Sommer.dok 2016 - wie immer heiß

Am 20. Juli 2016 ab 9 Uhr fand zum vierten Mal die JugendGeschichtsWerkstatt am Königsplatz statt.

Bei mittlerweile gewohnten 30 Grad, kühlen Getränken und jeder Menge Geschichtsstoff wurden am 20. Juli ab 9 Uhr in Workshops für Schulklassen, Aktionsständen, Vorträgen und Kreativangeboten verschiedene – und vor allem aktuelle – Themen bearbeitet und diskutiert.

Unter anderem kreative Widerstandsformen gegen Rechts, „Flucht und Asyl“ und Jugendwiderstand in München gegen die Nationalsozialisten. Welcher Ort würde sich dazu besser eignen als der Königsplatz, den die Nationalsozialisten ehemals als zentrales Aufmarschgelände benutzten?

Bereits in aller Frühe begann das Schulklassenprogramm mit zahlreichen Workshops: „Die weiße Rose“, „Rechtsextreme Entwicklungen, Gruppierungen, Parteien“, „Flucht und Asyl“ und „Kreativ gegen Rechts“ standen auf der Tagesordnung.

Die Schülerinnen und Schüler konnten sich intensiv mit den einzelnen Themen auseinandersetzen, ihre Meinung äußern oder vielleicht sogar von ihrem Standpunkt abrücken. Die Referierenden zeigten Filme, arbeiteten mit viel Bildmaterial und ließen die Schulklassen in ihren Gruppen überwiegend selbständig arbeiten. Mit großem Interesse folgten die Klassen dem Programm und nahmen aktiv an Diskussionsrunden teil. Auch das offene Angebot, das den ganzen Tag zugänglich war, wurde sowohl von den Schülerinnen und Schülern als auch den Lehrkräften und der „Laufkundschaft“ genutzt. Unter den Aktionsständen fand sich zum Beispiel eine Luftballonaktion, die die KJRKampagne „Das lassen wir uns nicht nehmen – kein Missbrauch demokratischer Werte!“ aufgriff. Hier konnten Interessierte eine Postkarte mit einem der sechs Begriffe – Europa, Freiheit, Heimat, Tradition, Wahrheit, Widerstand - an einen Luftballon hängen, sie beschriften und fliegen  lassen. „Deine Blume für Menschenrechte und Demokratie“ hieß es bei der Aktion „Blumenbeet“ – Gedanken und Wünsche zu diesem Thema wurden aufgeschrieben und, an einer weißen Blume befestigt, in die Erde gesteckt. So entstand im Laufe des Tages ein kleines, tiefsinniges Blumenbeet mitten auf dem Königsplatz. Die Fotoaktion zu Ausdrucksformen von „Widerstand“ traf unerwartet auf großes Interesse. Besucherinnen und Besucher des Sommer.dok waren aufgefordert, mit Gestik und Mimik ihre Interpretation von Widerstand darzustellen – in einem einzigen Bild, das mit einer Polaroid-Kamera gemacht wurde. Wer noch aktiver werden wollte, konnte das bei „Kreativ gegen Rechts“ tun: die einen verkünstelten sich beim Sprayen oder Airbrush, die anderen beschäftigten sich mit Tattoos und Buttons.

Ganz ohne Betreuung war die Ausstellung „Deckname Betti“, die sich ausführlich mit dem Jugendwiderstand gegen die Nationalsozialisten in München beschäftigt. Nebenan führte ein „Denk-Pfad“ aus Spiegelkacheln mit Zitaten quer über die Wiese, auf der anderen Seite der Straße fand man auf einer roten Couch zum Thema Bücherverbrennung ein ruhiges Plätzchen, um für sich Gedanken
und Eindrücken nachzugehen.

Am späten Nachmittag informierte ein Vortrag die große Runde der Interessierten über den neuesten Stand des Prozesses gegen den NSU. Dazu gab es auch eine  Hörstation am Plenumszelt. Im Anschluss daran wurde an den Militärischen Widerstand des 20. Juli 1944 erinnert. Die besondere Abschlusseinheit von sommer.dok lautete dieses Jahr: „Biografien meiner Familie im Nationalsozialismus: Was weiß ich darüber? Was bedeuten sie für mich?“

Als Gäste gingen heuer Pfarrer Dr. Björn Mensing von der Evangelischen Versöhnungskirche der KZ Gedenkstätte Dachau, Professor Dr. Karl Bonhoeffer, Neffe des Widerstandskämpfers Pfarrer Dietrich Bonhoeffer und Dr. Sabine Friedrich, Autorin des Werks „Wer wir sind“ über Familienbiografien des deutschen Widerstands mit dem jungen Publikum ins Gespräch. In der offenen Diskussionsrunde,
moderiert von Ferdinand Otto, wurden viele Fragen gestellt, über Biografien der eigenen Familie erzählt und großes Interesse an Forschungsmöglichkeiten über Familienmitglieder im Nationalsozialismus gezeigt. Bis in den Abend hinein wurde bei sommerlichen Temperaturen diskutiert und gelesen, zugehört und referiert. Dank und Respekt den vielen engagierten Ehrenamtlichen des „Team  sommer.dok“, bei der Fachstelle Demokratische Jugendbildung und den Kolleginnen und Kollegen des Fachbereichs Jugendarbeit, die alle miteinander sommer.dok 2016 zu einem Erlebnis und Beispiel für
junge historisch-politische Bildung gemacht haben!

Anna Demmler, Öffentlichkeitsarbeit, KJR
Sylvia Holhut, Fachstelle Demokratische Jugendbildung, KJR

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