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Sechs weitere KJR-Freizeitstätten natürlich²-zertifiziert

17 Freizeitstätten des KJR waren bereits mit dem Siegel „natürlich²“ zertifiziert. Jetzt sind sechs neu hinzugekommen. Dafür haben sie die Speisen und Getränke ihrer Kinder- und Jugendtreffs auf Bio, regional und saisonal umgestellt. Und die Kinder haben begeistert mitgemacht.

Würden die Kinder da mitmachen? Wie lassen sie sich überzeugen? Am Anfang hatte Susann Lange noch Bedenken. Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen im Spielhaus Sophienstraße wollten die Verpflegung umstellen und nur noch gesunde und regionale Lebensmittel, am besten aus Bio-Anbau verwenden. Die Reaktion der Kinder hat Lange überrascht. „Wir mussten sie gar nicht überzeugen, sie waren sofort dabei!“, berichtet die Pädagogin. „Sogar die Neunjährige, die im Frühling Geburtstag hat und sich dazu immer Erdbeerkuchen wünscht, hat das total locker aufgenommen“, sagt Lange. Denn Erdbeeren sind zu der Zeit einfach noch nicht reif, zumindest nicht in München und Umgebung. Und künftig gibt es sie im Spielhaus Sophienstraße nur noch, wenn sie Saison haben.

Denn Susann Lange hatte den Kindertreff an der Sophienstraße 15 in der Maxvorstadt beim Programm „natürlich² - verantwortungsvoll und lecker“ angemeldet. Dahinter stehen die Standards, die der Kreisjugendring München-Stadt (KJR) für ein dauerhaft nachhaltiges Essens- und Getränkeangebot in seinen Freizeitstätten entwickelt hat.

Neben den Getränken und Snacks im Thekenverkauf kommen jetzt nur noch tierische Produkte (Eier, Milchprodukte, Fleisch, Wurst), Trockenwaren (Nudeln, Reis, Mehl, sonstiges Getreide, Konserven) sowie Öle und Fette zum Einsatz, die zu 100 % biologisch hergestellt sind. Außerdem achten die natürlich²-Freizeitstätten darauf, dass sie ausschließlich fair gehandelten Kaffee, MSC-zertifizierten Fisch sowie regionales und saisonales Obst und Gemüse verwenden, das nach Möglichkeit auch ein anerkanntes Bio-Siegel trägt. 

Dass die Umstellung so gut klappt wie im Spielhaus Sophienstraße ist nicht selbstverständlich. Denn sie betrifft nicht nur das Snack- und Thekenangebot in den Freizeitstätten, sondern alle Nahrungsmittel, die dort auf den Tisch kommen. Also auch, wenn Kinder und Jugendliche gemeinsam Essen zubereiten. So wie im Arnulfpark, wo das Spielhaus Sophienstraße viermal die Woche mit mobilen Spiel- und Kreativangeboten präsent ist. „Jetzt im Winter und bei schlechtem Wetter nutzen wir die Räume im dortigen Nachbarschaftstreff“, sagt Lange. „Dort kochen wir ganz viel mit den Kindern und Teenies.“ Die Umstellung hat sich herumgesprochen. „Der Arnulfpark weiß Bescheid, bei uns gibt’s nur Bio!“.

Die eingeschweißte Bio-Gurke aus Spanien?
Oder die von hier ohne Bio-Siegel?

Für alle spürbar verändert hat sich zum Beispiel das Einkaufen, sowohl beim pädagogischen Team als auch gemeinsam mit den Kindern und Teenies. Da wird jetzt bewusst auf die Herkunft der Waren und auf Biosiegel geachtet. Und gerätselt, was nun nachhaltiger ist. Die eingeschweißte Bio-Gurke aus Spanien? Oder die von hier, ohne Plastik, aber auch ohne Bio-Siegel? „Das gibt spannende Diskussionen!“, sagt Lange lachend.

Damit die Umstellung bei den Kindern etwas bewirkt, geht sie mit ihnen gar nicht erst in vorbildliche Bioläden, die die Kinder sonst nie betreten. „Lieber besuchen wir zusammen Geschäfte, in denen sie oft einkaufen“, berichtet Lange. Das kann auch der ganz normale Supermarkt oder der Discounter nebenan sein. Dort suchen Kinder dann mit den Pädagoginnen und Pädagogen nach den „besten“ Lebensmitteln und diskutieren, welche das sind. 

Auch Langes Kolleginnen und Kollegen aus dem Abenteuerspielplatz ABIX in der Weitlstraße 125 im Hasenbergl, aus dem Kinderhaus Harthof in der Wegenerstraße 7, vom Kinder- und Jugendtreff an der Kurt-Eisner-Straße in Neuperlach, dem Abenteuerspielplatz Maulwurfshausen in der Albert-Schweitzer-Str. 24 (beide Neuperlach) und aus dem Musischen Zentrum in der Maxvorstadt (Georgenstraße 13a) haben ihre Häuser im vergangenen Jahr auf nachhaltige Getränke und Nahrungsmittel umgestellt. Damit haben sie die KJR-Nachhaltigkeitsstrategie in Sachen Ernährung erfolgreich umgesetzt. Jetzt wurden die sechs Freizeitstätten mit dem KJR-eigenen natürlich²-Zertifikat ausgezeichnet. Ab sofort dürfen sie ihr kulinarisches Angebot als „verantwortungsvoll und lecker“ bezeichnen.

Kinder suchen detektivisch nach Bio-Siegeln

Auch für Anna Dugas vom Musischen Zentrum in der Georgenstraße war die Umstellung ganz einfach. Jugendliche bewirtschaften dort das Café Cup ehrenamtlich, Eltern bekommen Kaffeespezialitäten, Kinder und Teenies Säfte und Limos. Und alle mögen die selbst gebackenen Muffins, Kuchen und Torten aus der „MuZ-Backstube“. Kinder backen dort mehrmals die Woche Leckereien fürs Café. 

„Wir haben schon vorher auf Bio gesetzt“, sagt Dugas, „aber jetzt sind es immer 100 Prozent Bio!“ Trotzdem musste das Back-Team etwas umdenken. „Es geht ja nicht nur um Bio, sondern um nachhaltig. Das Mehl gibt’s jetzt im 25-Kilo-Sack und das Backpulver im Kilopack statt im Acht-Gramm-Tütchen“, sagt Dugas. „Das macht einen Riesenunterschied beim Verpackungsmüll“, berichtet die Pädagogin. Die Lebensmittel fürs Café sind jetzt regional und saisonal, „dann gibt’s eben keinen Rhabarberkuchen im Dezember!“. Den Kindern in der Backstube hat die Umstellung sogar Spaß gemacht, sie gingen detektivisch auf die Suche nach Bio-Siegeln. Und haben sich ganz genau damit auseinandergesetzt, was zum Beispiel der Begriff „Bio-Milch“ genau bedeutet.

„Besonders schön war, als ich gemerkt hab, dass die Kinder ihre Bio-Begeisterung auch nach Hause tragen“, sagt Dugas. „Ich hab der Mama gesagt, die Bio-Milch schmeckt mir viel leckerer“, erzählte ihr neulich ein neunjähriges Mädchen aus dem Backstuben-Team. 

Einen großen Preissprung bedeutete die Umstellung auf nachhaltige Ernährung übrigens nicht. Die Verkaufspreise im Café Cup sind zwar etwas angestiegen, „aber das stand nach vielen Jahren ohnehin an und wäre auch ohne Umstellung gekommen“, sagt Dugas. Jetzt kostet ein Stück Kuchen immer noch erschwingliche 1,50 Euro, aber die beliebten Muffins sind nach wie vor für einen Euro zu haben. Und bei den Getränken ist nur der Kaffee für die Eltern 50 Cent teurer geworden, der Preis für Tee, Saftschorlen und Limos ist unverändert.

Mit den sechs neu ausgezeichneten Freizeitstätten sind nun bereits 23 Kinder- und Jugendtreffs natürlich²-zertifiziert, auch derzeit durchlaufen wieder neue Einrichtungen den Zertifizierungsprozess. Jedes Jahr sollen vier bis acht Häuser dazukommen und ihr Angebot umstellen.

Dieses Engagement des KJR in Sachen Nachhaltigkeit wird auch in Fachkreisen anerkannt. So hat der deutsche Nachhaltigkeitsrat das Projekt „natürlich² - verantwortungsvoll und lecker“ 2015 mit dem Qualitätssiegel „Werkstatt N-Projekt 2015“ ausgezeichnet. 

„Mit ‚natürlich²’ wollen wir den Kindern und Jugendlichen unserer Einrichtungen ein gesundes Essensangebot anbieten“, sagt Projektleiter Artur Bürgel. „Als großer Träger von Kinder- und Jugendeinrichtungen sehen wir es als unsere Verpflichtung, einen zukunftsfähigen und nachhaltigen Lebensstil vorzuleben.“

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