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Kinderrechte in Zeiten von Corona

Kinder und Jugendliche sind durch eine Ansteckung mit dem Covid-19-Erreger zwar am wenigsten direkt bedroht. Die Auswirkungen der aktuellen Restriktionen treffen sie jedoch unverhältnismäßig hart, etliche Kinderrechte sind derzeit außer Kraft. Ein Appell.

Die Corona-Krise hat viele Opfer, die Kinderrechte gehören dazu.
Die Bundesregierung hat das Ziel, die Kinderrechte ins Grundgesetz aufzunehmen, wegen Corona aufgeschoben. Welche Auswirkungen haben die strengen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie jedoch auf die Rechte von Kindern und Jugendlichen? 54 Artikel der UN-Kinderrechtskonvention garantieren unter anderem das Recht auf Bildung und Freizeit, aber auch auf gewaltfreie Erziehung und Betreuung bei Behinderung.

Einige der Kinderrechte, die 1989 verabschiedet wurden, sind derzeit praktisch außer Kraft gesetzt. Das hat gravierende Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche.

Weil Betreuungseinrichtungen, Kitas und Schulen geschlossen sind, verschärft sich Bildungsbenachteiligung noch weiter. Nicht in allen Familien stehen notwendige technische Ressourcen zur Verfügung. Viele Eltern müssen auch selbst von zuhause arbeiten oder sind einfach nicht in der Lage, ihren Kindern adäquate Bildungsangebote zu machen.

Auch in der Freizeit ist es derzeit nicht möglich, andere Kinder und Jugendliche, Freunde und Freundinnen zu treffen, weil Freizeitstätten, Spiel- und Sportplätze geschlossen sind. Das Recht, über die Gestaltung von Spiel und Freizeit selbst zu entscheiden, ist stark eingeschränkt.

Wer bietet Kindern und Jugendlichen Schutz vor häuslicher Gewalt, wenn sie das familiäre Umfeld nicht mehr verlassen können? Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe übernehmen einen wichtigen Teil des Kinderschutzes, nicht zuletzt seit der Einführung des §8a KJHG. Nicht alle Gefährdungsfälle sind dem Jugendamt bekannt, wenn sich gewichtige Anhaltpunkte einer Kindeswohlgefährdung durch den regelmäßigen Besuch einer Jugendhilfeeinrichtung abwenden lassen. Was passiert jedoch, wenn diese Einrichtungen geschlossen sind?

Verschärft werden Probleme in Familien mit Kindern dadurch, dass sie jetzt stärker von Armut und Arbeitslosigkeit bedroht sind als der Rest der Bevölkerung, denn nicht jede Firma kann Eltern zur Kinderbetreuung freistellen und nicht jeder Job ist fürs Home Office geeignet.

Bevor über eine weitere Verlängerung der Anti-Corona-Maßnahmen diskutiert wird, ist es wichtig, die Kinder und Jugendlichen nicht aus den Augen zu verlieren. Zwar sind Kinder und Jugendliche am wenigsten direkt durch eine Ansteckung mit dem Covid-19-Erreger bedroht, die Auswirkungen der aktuellen Restriktionen treffen sie jedoch unverhältnismäßig hart.

Was also ist mit den Rechten der Kinder und Jugendlichen in der aktuellen Katastrophenlage? Spätestens wenn die Corona-Krise überstanden ist, muss sich unsere Gesellschaft auch an dieser Frage messen lassen.

Mirjam Kranzmaier, Fachstelle Partizipation, KJR

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