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Interkulturelle Kompetenz – was ist das?

Am 30. November 2018 veranstaltete der Arbeitskreis "Interkulturelle Jugendarbeit im KJR" einen spannenden Fachtag zum Thema "Interkulturelle Kompetenz".

Interkulturelle Kompetenz ist eine Schlüsselkompetenz und wichtige Grundlage für pädagogisches Arbeiten in der Jugendarbeit. Wie ist diese Kompetenz zu definieren und wie ist das überhaupt mit der Kultur? Steht dahinter mehr als ein emotional aufgeladener Begriff und wie geht man mit unterschiedlichen kulturellen Identifikationsformen um?

Mit spannenden Fragen zum Begriff der „Interkulturellen Kompetenz“ beschäftigten sich über fünfzig Teilnehmende auf einem Fachtag am 30. November 2018 im Multikulturellen Jugendzentrum Westend, veranstaltet vom Arbeitskreis „Interkulturelle Jugendarbeit im KJR“. Hauptziel war es, vorhandenes Wissen zu interkultureller Pädagogik zu vertiefen, die eigene Haltung zu reflektieren und eine Handlungsstrategie zu entwickeln, um Ratlosigkeit und Unsicherheit im pädagogischen Alltag konstruktiv zu einem offenen Diskurs hinzuwenden, in dem unterschiedliche Interessen und Identitäten ausgehandelt werden können.

In seinem Impulsvortrag ging Prof. Dr. Magnus Treiber vom Institut für Ethnologie an der LMU München zunächst aus ethnologischer Sicht auf „Interkulturelle Kompetenz“ und „Kultur“ ein. Nach seiner Einschätzung bleibt der Begriff der „Interkulturellen Kompetenz“ trotz wachsender Fachliteratur vage. Das liege nicht zuletzt an der Schwierigkeit, „Kultur“ begrifflich zu fassen, weshalb zwar auf ethnologische Kulturtheorie verwiesen werde, eine weitere Auseinandersetzung damit aber nicht stattfinde. Da Kultur ein nicht rein sprachliches Phänomen darstelle, könne sie mit sprachlichen Mitteln auch immer nur näherungsweise beschrieben werden. Um der Komplexität der Debatte zu entgehen, würden zur Vermittlung gerne vereinfachende Schaubilder von Kultur eingesetzt, die stark werten und strukturieren und mehr Probleme aufwerfen, als sie lösen. Als Folge daraus ließe sich dann Kultur dazu instrumentalisieren, Veränderung, Differenz und Nicht-Verstehen zu rechtfertigen. Um dem zu entgehen, schlägt Prof. Treiber eine pragmatische und kommunikationsbasierte Lösungsorientierung vor, die weitgehend – und jenseits kultureller Überhöhungen– auf der beruflichen Kompetenz und Erfahrung der Fachkräfte in der breiteren Sozialen Arbeit und Bildungsarbeit aufbauen kann. Wenn die unausweichliche politische Dimension des Sprechens über Kultur erkannt wird, dann lasse sich damit auch angstfreier umgehen – denn nicht immer seien Konflikte etwa unter Jugendlichen in erster Linie kulturell, sondern möglicherweise einfach persönlichen Entfaltungsprozessen im jugendlichen Alter geschuldet.

Im zweiten Teil des Tages wurden in vier Kleingruppen Fallbeispiele aus der pädagogischen Praxis ausführlich diskutiert und Handlungsempfehlungen erarbeitet: Umgang mit religiösen Wünschen und Bedürfnissen der Besucherinnen und Besucher; Muttersprache als Ressource, aber bitte in der Einrichtung nur Deutsch sprechen; Umgang mit ethnischen bzw. nationalistischen Konflikten der Besucherinnen und Besucher; Klassenperspektive bzw. Vorurteile aufgrund der sozialen Herkunft.

Cumali Naz, Beauftragter für interkulturelle Jugendarbeit

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