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Fachkongress Geschlechtsspezifische Jugendarbeit

Am 6. Dezember 2018 fand der Fachkongress Geschlechtsspezifische Jugendarbeit in den Räumen der AidsHilfe e.V. für alle interessierten Kolleginnen und Kollegen statt, die in der geschlechtsspezifischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen tätig sind.

Die Sexualpädagogin Sonja Estendorfer und Bertram Hollmann, ehemals in der Sexualaufklärung tätig und nun mit Lehrauftrag an der Hochschule München, waren als Referierende eingeladen und fragten zunächst Arbeitsfelder und Zielgruppen der Teilnehmenden ab, um Erwartungen und Bedarfe zu kennen und erfüllen zu können.

Eine Reise in die eigene Biografie mit Blick auf die Entwicklung zum sexuellen Wesen brachte dann auch emotionale Annäherung an die Thematik. Mit Fragen wie „Wer war auch ein „Dr. Sommer-Kind?“ wurden Erfahrungen ausgetauscht und mit der heutigen Situation Jugendlicher verglichen.

Die Vorstellung ausgewählter Ergebnisse der Jugendsexualitätsstudie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) von 2015 belegte und widersprach gefühlten Wahrheiten über die „Jugend von heute“. Die Methode „Sex ABC“ sorgte nicht nur bei den Kolleginnen und Kollegen für Heiterkeit, sondern ist auch sehr gut mit Zielgruppen anwendbar ist. Zu jedem Buchstaben des Alphabets soll in Kleingruppen ein Wort gefunden werden, das im weitesten Sinne mit Sex zu tun hat. Die Gruppe mit den wenigsten Überschneidungen zu den anderen gewinnt. Auch wenn es etwas ungewohnt ist, mit sexuellen Begriffen um sich zu werfen, gibt es dem Thema eine Sprache und baut Hemmungen ab.

Nachmittags rundeten zwei Workshops den Fachkongress ab. Bei „Sexualpädagogik im interkulturellen Kontext“ wurden Methoden vorgestellt, die sich besonders in der Arbeit mit jungen Geflüchteten eignen, da sie verschiedene Wertevorstellungen berücksichtigen, aber auch mit wenig Sprache auskommen.

Zum Thema Jungfernhäutchen wurde stark kontrovers diskutiert, ob es in einem parteilichen Ansatz sinnvoll ist, Mädchen* und jungen Frauen* Infos über künstliche Hymen mit Echtblutimitat zu geben und damit gleichzeitig den Mythos Jungfernhäutchen und damit im weitesten Sinne patriarchale Strukturen zu fördern.

Im Workshop „Sexualpädagogik mit Teenies“ wurde u.a. eine Methode vorgestellt, bei der die Heranwachsenden in Kleingruppen einen männlichen* bzw. weiblichen* Körperumriss malen und alle Veränderungen der Pubertät einzeichnen. Ziel ist es, den Teenies Informationen über die bevorstehenden körperlichen und emotionalen Veränderungen zu geben und dabei auch den Bezug zum jeweils anderen Geschlecht herzustellen. Nur wie gehen wir mit Kindern und Jugendlichen um, die sich nicht eindeutig dem vermeintlichen Geschlecht oder keinem Geschlecht insgesamt zuordnen wollen oder können? Auch diese Frage wurde praxisnah diskutiert.

Abschließend gab es eine kleine Blitzlichtrunde mit Feedback und die Möglichkeit, an einem Methodentisch zu stöbern. Ausgelegte Literaturlisten und Infomaterialien fanden großen Anklang und wurden eifrig mitgenommen.

Katharina Fertl, Bernhard Rutzmoser, KJR

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