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50 Jahre Musisches Zentrum

Im Musischen Zentrum lernen Kinder und Jugendliche die Sprache der Kunst. Entsprechend gab es zum Jubiläum viel Kinder- und Jugendkultur. Und einen Stadtrat, der mehr über das Haus weiß als der KJR selbst

Die Sprache der Kunst

Der Mann in dunklem T-Shirt und schwarzer Sporthose streckt die Arme weit von sich. Er balanciert auf einem Bein, sein Blick bohrt sich ins Publikum. Dann kauert er sich auf den Boden, um im nächsten Moment explosiv aufzuspringen, fast bis zur Zeltdecke, er dreht sich um die eigene Achse und wirbelt über die Bühne. Die ist mehr als 50 Quadratmeter groß und doch fast zu klein für diesen Modernen Tanz.

Der Tänzer ist Thorsten Paetzold, seit 2001 Leiter des Musischen Zentrums, das heute Abend sein 50. Jubiläum feiert. Als er kurz darauf die Festgäste begrüßt, ist er außer Atem. Statt einer langen Rede solle sein Tanz ganz praktisch zeigen, was hier im Musischen Zentrum passiert. „Wir wollen Kindern die Sprache der Kunst vermitteln und ihnen Brücken bauen zu anderen Möglichkeiten sich auszudrücken“, erklärt er.

Wie diese Sprache klingen kann, haben kurz vor Paetzolds Auftritt die Kinder und Jugendlichen des Blockflöten-Kurses, der Backstube und der MuZ-Band gezeigt. Zum geflöteten „Happy Birthday“ trugen sie die selbst dekorierte Geburtstagstorte auf die Bühne, wo E-Gitarre, Bass und Schlagzeug mit einstimmten.
Band, Blockflöte und Backstube sind nur drei von rund 50 Kursen und Projekten im „MuZ“, wie Kinder und Jugendliche das Musische Zentrum kurz nennen. In den Sparten Musik, Tanz, bildende Kunst, Theater und Bewegungskünste können hier junge Menschen aus der ganzen Stadt ihre „Lieblingssprache“ finden. Fast alle Sparten sind an diesem 3. Juli vertreten. Das fast zweistündige Programm der Jubiläumsfeier ist nur der Auftakt zu vier Tagen „Sommerfestival der Kinder- und Jugendkultur“. Und fast alles machen die Kinder und Jugendlichen selbst. Zum Beispiel jene aus den Kursen Mode- und Nähatelier, die gerade auf den Bühnen-Laufsteg treten. Sie haben Kleider, Taschen und Bademode entworfen und geschneidert und präsentieren sie in einer Modenschau. Oder die Sieben- bis Zehnjährigen aus dem Kurs „Rolle vorwärts“, die im Anschluss ihre Krimikomödie „Die Entführung der kleinen Nervensäge“ zeigen. Sie spielen darin gestresste Erwachsene mit anstrengenden Kindern und sprechen Sätze, die sie so ähnlich von zu Hause kennen („Kind, hast du genug gegessen?“ –„Ja, ein Kilo Erdbeereis!“). Damit zaubern sie nicht nur ihren Eltern im Publikum ein Lächeln ins Gesicht.

„Kultur macht stark!“

Durch das Programm führen die zwölfjährige Pauline und die zehnjährige Sophia. Letztere moderiert nicht nur, sie spielt auch im Theaterstück mit und singt im Kurs „Gesang & Stimme“, der an diesem Abend unterstützt von der Band und einer Querflöte die Hits „Let her go“ von Passenger und Robbie Williams‘ „Angels“ performt.

Die Glückwünsche der Landeshauptstadt München zum 50. Jubiläum überbringt mit Stadtrat Haimo Liebich ein Fachmann in Sachen Kinder- und Jugendkultur. Er ist auch Vorsitzender der Landesvereinigung Kulturelle Bildung Bayern und weiß gut, was MuZ-Leiter Paetzold mit der Sprache der Kunst meint. „Kulturelle Bildung öffnet Welten“, sagt er, „sie hilft, Vielfalt zu leben in einer bunten, weltoffenen Stadt. Kultur macht stark!“

Er erinnert an die Aufbruchstimmung im Jahr 1969, in der etwa die Pädagogische Aktion ins Leben gerufen wurde, das Pädagogische Institut der Stadt München, das Museumspädagogische Zentrum (MPZ) und auch das Musische Zentrum. „Eine Gründung ganz im humanistischen Sinn des legendären Stadtschulrats Anton Fingerle, der auch Gründer und lange Vorsitzender des KJR war“, sagt Liebich.

Wer das Musische Zentrum einst gegründet hatte, wusste im MuZ und auch im KJR niemand mehr. Umso mehr überrascht Liebich die Festgäste mit Grüßen der Malerin Heita Copony. Auf ihre Initiative ist das Haus vor 50 Jahren entstanden. Mit den Erfahrungen als erste Leiterin baute sie später, auf ihrem privaten künstlerischen Weg, ein internationales Kurssystem auf. Dass das Musische Zentrum immer noch existiert, wusste die heute 80-Jährige bis zu Liebichs Anruf gar nicht – war aber positiv überrascht. Und beschrieb ihm ihre Zeit im MuZ so, wie es auch viele ehemalige Kinder und Jugendliche tun: „Eine sehr schöne Phase in meinem Leben!“

Gecko Wagner, Öffentlichkeitsarbeit, KJR    

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