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Stadtteilcheck in der Innenstadt

Für 20 Kinder aus dem Bürgerhaus Glockenbachwerkstatt war es am Mittwoch, den 31. März 2010 so weit, ihren Stadtteil auf „Herz und Rampen“ zu prüfen. Im Rahmen des Osterferienprogramms machten sie sich mit Rollstühlen, Augenbinden, Simulationsbrillen und Blindenlangstöcken ausgestattet für drei Stunden auf den Weg, Teile der Altstadt und der Isarvorstadt auf ihre baulichen Gegebenheiten für Menschen mit Behinderung zu testen.

Den Kindern wurde, besonders durch die anschaulichen Erklärungen der Mitarbeiter/innen von „Auf Herz und Rampen prüfen“, die zum Teil selbst auf Rollstuhl oder Blindenlangstock angewiesen sind, schnell deutlich, welche baulichen Gegebenheiten förderlich sind, z.B. abgesenkte Bordsteine an Straßenüberquerungen. Umso mehr fiel dann aber auch ihr Fehlen auf.
Als Beispiele für bauliche Barrieren sind dabei fehlende akustisch-taktile Signale an Ampeln zu nennen, z.B. an der Kreuzung am Reichenbachplatz und an der Kreuzung Im Tal / Radlsteg.

Schwierig, sowohl für Rollstuhlfahrer/innen als auch für Blinde, ist das viele Kopfsteinpflaster in der Altstadt, z.B. am Petersberg und in der Heiliggeiststraße. Evtl. wäre es hier möglich, zum Teil vorhandene Spuren mit großem Pflaster zu verbreitern, um eine besser befahrbare Oberfläche zu schaffen.

Neben baulichen Barrieren im öffentlichen Raum stellten die Kinder bei ihrem Stadtteilcheck auch viele Schwierigkeiten in anderen Einrichtungen fest, so z.B. in der Sparkasse am Gärtnerplatz. Auf Grund einer hohen Stufe am Eingang können Rollstuhlfahrer/innen den Serviceraum nicht selbständig betreten. Auch sind die Geldautomaten zu hoch angebracht und die Menütasten (Bestätigen, Abbruch, Korrektur) nicht mit fühlbaren Anzeigen für Blinde ausgestattet. In Supermärkten und Lebensmittelabteilungen konnten die Kinder im getesteten Bereich ganz unterschiedliche Erfahrungen machen: So ist der Tengelmann am Gärtnerplatz durch die vorhandene Rampe für Rollstuhlfahrer/innen betretbar, allerdings sind die Gänge im Markt dann recht eng. Mit engen, vollgestellten Gängen hatten die Kinder auch im Basic in der Westenriederstraße zu kämpfen. Sehr gut befahrbar ist die Lebensmittelabteilung des Kaufhof am Marienplatz.

Besonders positiv fiel den Kindern auf, dass die Passant/innen und Mitarbeiter/innen der getesteten Einrichtungen sehr offen und hilfsbereit auf sie zugingen. Allerdings kam es auch vor, dass ein Passant einem Kind im Rollstuhl half, ohne dieses vorher zu fragen. Erschrocken durch die plötzliche Vorwärtsbewegung rief es: „Aber ich möchte alleine fahren, warum helfen Sie mir?“ Auch das war für die Kinder eine wichtige Erfahrung; dass Menschen, die blind sind oder auf einen Rollstuhl angewiesen, nicht automatisch unselbständig sind und immer Hilfe benötigen.

Begleitet hat den Stadtteilcheck Beate Bidjanbeg, Kinder- und Jugendbeauftragte des BA 2, die in der nächsten Zeit die Anliegen der „Stadtteilchecker/innen“ im Bezirksausschuss vertreten wird, damit festgestellte Mängel im Sinne der Barrierefreiheit verändert werden können. Eine detaillierte Auflistung der getesteten Stellen in der Altstadt und der Isarvorstadt wird an den BA 1 und den BA 2 übergeben, um im Sinne der Nachhaltigkeit bauliche Veränderungen anzustoßen.

Bei Interesse an einem Stadtteilcheck können sich Münchner Schulen und Kinder- und Jugendeinrichtungen an Marie-Luise Hess unter der E-Mail herzundrampen(at)kjr-m.de wenden.

Aktuelles

Am Donnerstag, den 1. März präsentiert die Ausstellung „Mobil mit Handicap!?“ im Verkehrszentrum des Deutschen Museums die Performance „abArt im Spagat – Ein gewagtes Spiel mit Schwanensee“.

Zum 11. Mal wird am 3. März die JEWROVISION unter dem Motto „Back to the roots“ in München ausgetragen.

 

Am Samstag, den 10. März, veranstalten verschiedene KJR-Einrichtungen gemeinsam einen Medientag für Mädchen im Café Netzwerk.

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