Leitlienien / Konzepte
 

Leitlinien für Jungenarbeit und Vernetzung


Hier nur ein Miniversion der Unendlichen Geschichte “Kommunale Leitlinien zur Jungenarbeit in München”.
Der Stadtrat hat vor einigen Jahren den Auftrag zur Erstellung der Leitlinien erteilt. Es fand sich eine recht bunt gemischte Gruppe von Jungenarbeitern und anderen Interessierten, die bereit waren an diesem Projekt mitzuarbeiten. Aus dieser Gruppe entstand eine sogenannte Kerngruppe, die die verschiedenen Teile und Anregungen zusammentrug und zu einem Text zusammenfügte. Dieser Text war ein Kompromisspapier, z.T. recht ausführlich formuliert und erklärt. In der anschliessenden Abstimmung mit den diversen zuständigen Stellen bzw. Abteilungen kristallisierte sich heraus, dass diese Leitlinien aus unterschiedlichsten Gründen in dieser Form nicht als Leitlinien akzeptiert wurden. Im KJHA wurde der Text nur als Konzeptentwurf akzeptiert.

Die geschlechtsspezifische Jugendarbeit beinhaltet die Jungenarbeit. Für den KJR entstehen deshalb interne Leitlinien für die Jungenarbeit.

Konzepte/Leitfäden

Jungenarbeit

“Jungenarbeit ist, wenn ein Mann mit Jungen geschlechtsbezogen pädagogisch arbeitet.” Ak Jungen- & Männerarbeit

Die Jungenarbeit findet hauptsächlich in einem nach Geschlecht getrennten Bereich statt, aber auch im koedukativen Bereich, das heißt sowohl in den jeweiligen Gruppen bzw. Einzelsituationen als auch im Offenen Betrieb und in Paarberatungen bzw. dadurch, dass die Jungengruppen und Mädchengruppe ein Thema parallel behandeln.

Die Jungenarbeit hat parteiliche, emanzipatorische und antipatriarchale Ziele und Ansätze.

· Parteilich:

Parteilich sein für Jungen und junge Männer heißt, sie nicht nur ernst zu nehmen, sondern sie in den Mittelpunkt des Interesses zu stellen und sie mit ihren Stärken und Fähigkeiten, ihrem ganzen Sein wahrzunehmen, zu bejahen und sie als eigenständige Persönlichkeiten auf allen Ebenen zu unterstützen und zu fördern. Es bedeutet, sie nicht in Schemata von Täter bzw. Opfer zu pressen.

· Emanzipatorisch:

Damit ist gemeint, den Jungen die Möglichkeit zur Selbständigkeit, Eigenverantwortung, Autonomie zur vermitteln. Es geht von einem nicht unterdrückten und nicht unterdrückendem Menschenbild aus. Ziel ist hierbei unter anderem, dass die Jungen und jungen Männer die Verantwortung für ihr Handeln wirklich übernehmen und emphatisch leben.

· Antipatriarchalisch:

Hiermit sind verschiedene Ansätze bzw. Grundannahmen und Ziele gemeint. Wir leben in einer patriarchalen Gesellschaft, in der Konkurrenz, Hierarchie, Diskriminierung (Unterdrückung) aufgrund rassistischer und sexistischer Merkmale herrschen. Die dominierende Form der gesellschaftlichen Macht geht von Männern aus und ist tendentiell aggressiv.

In dieser Jungenarbeit werden Gegenentwürfe entwickelt und Wege gesucht andere Lebensentwürfe zu leben.

Dies bedeutet, dass die Jungen und jungen Männer in ihrem Sein, mit ihrer Geschichte und ihrem Erleben ernst genommen werden. sie sollen hierbei nicht pädagogisiert werden, sondern sie sollen selbständig und freiwillig Erfahrungen machen und lernen. Die Basis ist die Freiwilligkeit dies entspricht auch dem Wesen einer Freizeitstätte.

In der Gesellschaft gibt es Phänomene, die sich in den Freizeitstätten widerspiegeln. Die Themen Gewalt, Macht, Sexualität, Beziehungen, Partnerschaft und Entwicklung autonomer Persönlichkeiten haben Aspekte, die sich speziell auf Jungen und Männer beziehen. Selten wird dies so wahrgenommen und noch seltener wird darauf geschlechtsspezifisch reagiert.

Am Beispiel der Gewalt wird das besonders augenfällig. Zum Beispiel das Thema “Jugendgewalt” (z.B.: Hooligans oder Jugendbanden usw.), hier wird von einem Jugendphänomen bzw. von einer gesellschaftlichen Problematik gesprochen und selten unter dem Blickwinkel betrachtet, von wem geht die Gewalt aus und warum. Dies stellt keine Stigmatisierung von Jungen und Männern als "Täter" dar, sondern soll verdeutlichen, wie unspezifisch auf das Problem reagiert wird.

Jungen und Männern sind in ihren Sozialisationsmöglichkeiten genauso enge Grenzen gesetzt, wie den Mädchen und Frauen. Diese Einschränkung der Handlungsmuster und Reaktionsmöglichkeiten führen leicht zu inneren Nöten, die nicht adäquat bearbeitet werden können, wenn sie nicht geschlechtsspezifisch betrachtet werden.

Der zentrale Punkt in der Jungen- und Männerarbeit ist: Auf spezifische Problemstellungen von Jungen und Männern auch spezifisch zu reagieren.

Ein Problem beim Aufbau der Jungenarbeit ist, sich mit den Resentiments auseinanderzusetzen, die dieser Arbeit gegenüber bestehen. Die Abwehr dagegen besteht unter anderem in der ausgeprägten Homophobie, die in der Gesellschaft herrscht und den Klischees bzw. Rollendefinitionen, die mit Männlichkeit verbunden sind.

Ganz platt: Männer reden nicht oder zumindest kaum über Gefühle, sie haben immer und alles "im Griff" und sind “cool”, müssen in einer Gesellschaft bestehen und Erfolg haben, die ihnen dies alles andere als leicht macht (Arbeitslosigkeit, Wertewandel, Umweltzerstörung usw usw).

In der Gruppe ist es gut möglich die Vertrautheit, das Vertrauen und die Atmosphäre zu entwickeln, die es ermöglicht sich offen auseinanderzusetzen und Neues zu erfahren und zu erproben.

Durch die Jungenarbeit sollen die Jungen die Möglichkeit erhalten Lebensentwürfe zu entwickeln, die auch beinhalten können, die klassisch männlichen Verhaltensvorgaben in Frage zu stellen.

Voraussetzung für die Jungenarbeiter ist, dass sie sich selbst intensiv und ehrlich mit dem Thema auseinandersetzen und authentisch sind. Die Jungenarbeiter werden durch die Arbeit sowohl von den Jugendlichen als auch im Team permanent hinterfragt. Die Arbeit ist im Sinne eines “Frontalunterrichts” nicht möglich.

Jungenarbeit soll gewalt- und suchtpräventiv wirken. Es wird auf die geschlechtsspezifischen Aspekte der Sucht- bzw. Drogenprävention geachtet.

Sie soll helfen eigenständige und selbstverantwortliche Lebensentwürfe zu entwickeln.

Daraus folgt, dass Jungenarbeit immer auch politisch ist.

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